LmDR Baden-Württemberg

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‍Politik muss zuhören – und handeln

‍Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Bundesvorsitzender der LmDR Norbert Strohmaier im Gespräch mit den Deutschen aus Russland am 27.07.2026

‍Gespräche zwischen Spitzenpolitikern und Vertretern der Deutschen aus Russland haben eine lange Tradition. Sie gehören zu den wenigen Formaten, in denen Probleme offen angesprochen, unterschiedliche Positionen ausgetauscht und konkrete Erwartungen an die Politik formuliert werden können. Genau darin liegt ihre Stärke: Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um Inhalte.

‍Zu einem solchen politischen Dialog hatte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Inna Dietz-Kravzov, nach Ludwigsburg eingeladen. Die Veranstaltung fand im Kleinen Saal der Stadtbibliothek statt. Ursprünglich war der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Gesprächspartner vorgesehen. Aufgrund terminlicher Änderungen nahm stattdessen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger an der Veranstaltung teil. Gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Norbert Strohmaier, stellte er sich den Fragen der Teilnehmer.

‍Die Diskussion verlief offen, respektvoll und zugleich ungewöhnlich deutlich. Im Mittelpunkt standen drei Themen, die für viele Russlanddeutsche von existenzieller Bedeutung sind.

‍An erster Stelle stand die Frage der Altersversorgung der Spätaussiedler. Viele Teilnehmer fragten sich, ob dieses Thema in der Bundespolitik überhaupt noch den notwendigen Stellenwert besitzt. Der aktuelle Bericht der Rentenkommission erwähnt weder die Russlanddeutschen noch das Fremdrentengesetz oder die besondere Situation der Spätaussiedler. Das löste große Besorgnis aus. Reicht es aus, Verständnis zu zeigen – oder wird sich künftig wieder jemand in der Politik finden, der bereit ist, an einer tatsächlichen Lösung mitzuwirken?

‍Ebenso intensiv wurde über die Finanzierung der landsmannschaftlichen Arbeit gesprochen. Die Landsmannschaft übernimmt seit Jahrzehnten Aufgaben, die weit über die Interessenvertretung hinausgehen: Sie vermittelt demokratische Werte, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, begleitet Integrationsprozesse, bewahrt Geschichte und Kultur und wirkt als Ansprechpartner für viele tausend Menschen. Gleichzeitig sind die finanziellen Grundlagen dieser Arbeit in den vergangenen Jahren nahezu vollständig entfallen.

‍Viele Teilnehmer stellten deshalb eine unbequeme Frage: Wie konnte es geschehen, dass die politische Lobbyarbeit der Deutschen aus Russland innerhalb eines Jahrzehnts nahezu zum Erliegen gekommen ist? Sind die eigenen politischen Strukturen zu schwach geworden? Oder ist das Interesse der Politik an den Anliegen der Volksgruppe zurückgegangen? Einigkeit bestand darüber, dass beides nicht einfach hingenommen werden darf.

‍Ein weiterer Schwerpunkt war die Kulturarbeit nach § 96 Bundesvertriebenengesetz. Die Geschichte und das kulturelle Erbe der Deutschen aus Russland gehören zum gesamtdeutschen Kulturerbe. Ihre wissenschaftliche Aufarbeitung, Dokumentation und Vermittlung benötigen jedoch verlässliche politische Unterstützung. Die Teilnehmer machten deutlich, dass diese Arbeit nicht dem Zufall oder kurzfristigen Förderentscheidungen überlassen werden darf. Kulturpolitik braucht auch in diesem Bereich langfristige Perspektiven.

‍Was den Abend besonders prägte, war die Atmosphäre. Niemand erwartete einfache Antworten. Umso mehr wurde geschätzt, dass Steffen Bilger und Norbert Strohmaier den schwierigen Fragen nicht auswichen. Probleme wurden nicht beschönigt, sondern offen benannt. Ebenso offen wurde darüber gesprochen, welche politischen Wege möglich sind und welche Bündnisse dafür notwendig sein werden.

‍Am Ende blieb bei vielen Teilnehmern der Eindruck, dass sich politische Gespräche nur dann lohnen, wenn sie ehrlich geführt werden. Die Deutschen aus Russland erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten jedoch, dass ihre Anliegen wahrgenommen und ihre Beiträge zur deutschen Gesellschaft anerkannt werden.

‍Ein Satz zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion: Politik kann nur handeln, wenn sie mit den tatsächlichen Problemen konfrontiert wird. Deshalb soll der Dialog mit den politisch Verantwortlichen fortgesetzt und weiter ausgebaut werden. Denn wer Lösungen erreichen will, darf den Kontakt zur Politik nicht abbrechen lassen – sondern muss ihn suchen, pflegen und mit klaren Argumenten füllen.

‍Politik muss zuhören – und handeln

‍Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Bundesvorsitzender der LmDR Norbert Strohmaier im Gespräch mit den Deutschen aus Russland am 27.07.2026

‍Gespräche zwischen Spitzenpolitikern und Vertretern der Deutschen aus Russland haben eine lange Tradition. Sie gehören zu den wenigen Formaten, in denen Probleme offen angesprochen, unterschiedliche Positionen ausgetauscht und konkrete Erwartungen an die Politik formuliert werden können. Genau darin liegt ihre Stärke: Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um Inhalte.

‍Zu einem solchen politischen Dialog hatte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Inna Dietz-Kravzov, nach Ludwigsburg eingeladen. Die Veranstaltung fand im Kleinen Saal der Stadtbibliothek statt. Ursprünglich war der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Gesprächspartner vorgesehen. Aufgrund terminlicher Änderungen nahm stattdessen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger an der Veranstaltung teil. Gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Norbert Strohmaier, stellte er sich den Fragen der Teilnehmer.

‍Die Diskussion verlief offen, respektvoll und zugleich ungewöhnlich deutlich. Im Mittelpunkt standen drei Themen, die für viele Russlanddeutsche von existenzieller Bedeutung sind.

‍An erster Stelle stand die Frage der Altersversorgung der Spätaussiedler. Viele Teilnehmer fragten sich, ob dieses Thema in der Bundespolitik überhaupt noch den notwendigen Stellenwert besitzt. Der aktuelle Bericht der Rentenkommission erwähnt weder die Russlanddeutschen noch das Fremdrentengesetz oder die besondere Situation der Spätaussiedler. Das löste große Besorgnis aus. Reicht es aus, Verständnis zu zeigen – oder wird sich künftig wieder jemand in der Politik finden, der bereit ist, an einer tatsächlichen Lösung mitzuwirken?

‍Ebenso intensiv wurde über die Finanzierung der landsmannschaftlichen Arbeit gesprochen. Die Landsmannschaft übernimmt seit Jahrzehnten Aufgaben, die weit über die Interessenvertretung hinausgehen: Sie vermittelt demokratische Werte, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, begleitet Integrationsprozesse, bewahrt Geschichte und Kultur und wirkt als Ansprechpartner für viele tausend Menschen. Gleichzeitig sind die finanziellen Grundlagen dieser Arbeit in den vergangenen Jahren nahezu vollständig entfallen.

‍Viele Teilnehmer stellten deshalb eine unbequeme Frage: Wie konnte es geschehen, dass die politische Lobbyarbeit der Deutschen aus Russland innerhalb eines Jahrzehnts nahezu zum Erliegen gekommen ist? Sind die eigenen politischen Strukturen zu schwach geworden? Oder ist das Interesse der Politik an den Anliegen der Volksgruppe zurückgegangen? Einigkeit bestand darüber, dass beides nicht einfach hingenommen werden darf.

‍Ein weiterer Schwerpunkt war die Kulturarbeit nach § 96 Bundesvertriebenengesetz. Die Geschichte und das kulturelle Erbe der Deutschen aus Russland gehören zum gesamtdeutschen Kulturerbe. Ihre wissenschaftliche Aufarbeitung, Dokumentation und Vermittlung benötigen jedoch verlässliche politische Unterstützung. Die Teilnehmer machten deutlich, dass diese Arbeit nicht dem Zufall oder kurzfristigen Förderentscheidungen überlassen werden darf. Kulturpolitik braucht auch in diesem Bereich langfristige Perspektiven.

‍Was den Abend besonders prägte, war die Atmosphäre. Niemand erwartete einfache Antworten. Umso mehr wurde geschätzt, dass Steffen Bilger und Norbert Strohmaier den schwierigen Fragen nicht auswichen. Probleme wurden nicht beschönigt, sondern offen benannt. Ebenso offen wurde darüber gesprochen, welche politischen Wege möglich sind und welche Bündnisse dafür notwendig sein werden.

‍Am Ende blieb bei vielen Teilnehmern der Eindruck, dass sich politische Gespräche nur dann lohnen, wenn sie ehrlich geführt werden. Die Deutschen aus Russland erwarten keine Sonderbehandlung. Sie erwarten jedoch, dass ihre Anliegen wahrgenommen und ihre Beiträge zur deutschen Gesellschaft anerkannt werden.

‍Ein Satz zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion: Politik kann nur handeln, wenn sie mit den tatsächlichen Problemen konfrontiert wird. Deshalb soll der Dialog mit den politisch Verantwortlichen fortgesetzt und weiter ausgebaut werden. Denn wer Lösungen erreichen will, darf den Kontakt zur Politik nicht abbrechen lassen – sondern muss ihn suchen, pflegen und mit klaren Argumenten füllen.